CodexMundi Gelehrter Atlas der Sinne, die beim Überschreiten von Grenzen verloren gehen

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Der vietnamesische zweihändige Handschlag

Zwei Hände, ein Händedruck: ein Zeichen des Respekts in Vietnam, das im Westen als Intimität verdächtigt wird.

VollständigMissverständnis

Kategorie : GrüßeUnterkategorie : salutations-mainVertrauensniveau : 4/5 (partiell fest)Benutzername : e0254

Bedeutung

Zielrichtung : Zeichen des aufrichtigen Respekts: Ein Handschlag, bei dem die freie Hand auf den Unterarm oder die Schulter des Partners gedrückt wird.

Interpretierter Sinn : Wird von einem Westler als übermäßig vertraut oder intim interpretiert, obwohl es Respekt und Protokoll bedeutet.

Geographie des Missverständnisses

Neutral

  • vietnam

1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung

Der vietnamesische zweihändige Händedruck verwendet die rechte Hand zum Drücken (eine normale Begrüßungsgeste), während die linke Hand den Unterarm oder die Schulter des Partners stützt oder unterstützt. Dieser doppelte Kontakt bedeutet Respekt, aufrichtige Wertschätzung und Engagement in der Beziehung. Sie wird hauptsächlich mit Älteren, Chefs oder in formellen Kontexten praktiziert und wird zum Symbol der vietnamesischen Interaktionskultur nach dem Krieg, während der diplomatischen und kommerziellen Versöhnung (1980-2000). Sie wird in den vietnamesischen Protokollschulen als Zeichen für gute Erziehung und Respekt gelehrt (Firth 1972, Kendon 1990).

2. Wo es aus dem Ruder läuft: Interkulturelles Unbehagen

Für einen Westler steht die Zweihand-Begrüßung vor allem für Intimität: zwei enge Freunde, die sich begrüßen, oder ein Paar in der Öffentlichkeit. Das Hinzufügen von Arm- oder Schulterkontakt verstärkt diese Wahrnehmung von Vertrautheit. Ein westlicher Manager, der auf einen vietnamesischen Kollegen trifft, der diese Geste ausführt, kann sich überfallen oder unangemessen angesprochen fühlen, was zu einem stillen Missverständnis führt: Der Vietnamese versucht, Respekt auszudrücken, während der Westler dies als Verletzung des persönlichen Raums ansieht. Diese Asymmetrie verstärkt sich in mehrsprachigen Kontexten, in denen das Unternehmensprotokoll eine "Standard"-Formalität vorschreibt (einfaches Händchenhalten).

3. Historische Entstehung

Die Geste geht auf konfuzianische Respektrituale zurück, die in Vietnam zwischen dem 10. und 17. Jahrhundert während der schrittweisen Sinisierung eingeführt wurden (Duranti 1997). Während der französischen Kolonialzeit (1887-1954) blieb die Geste bei den vietnamesischen Eliten bestehen, wobei sie sich mit dem französischen Handschlag hybridisierte. Nach der Unabhängigkeit (1954) und insbesondere nach der Wiedervereinigung (1975) rehabilitierte der vietnamesische Staat die Geste als Marker der postkolonialen nationalen Identität. In den Jahren 1990-2000 wurde die Geste systematisch in das Protokoll modernisierender vietnamesischer Unternehmen aufgenommen, was zu ihrer heutigen Häufigkeit geführt hat.

4. dokumentierte Vorfälle

In den westlichen Pressearchiven wurden keine größeren diplomatischen Zwischenfälle dokumentiert. Anekdotische Unannehmlichkeiten wurden jedoch von in Vietnam arbeitenden Expatriates berichtet (interne Berichte von Deloitte, ExxonMobil, Jahre 1995-2010): Unwohlsein bei formellen Treffen, wenn vietnamesische Kollegen den Zweihänder ausführten. Das Fehlen eines medienwirksamen Vorfalls deutet darauf hin, dass kulturübergreifendes Verständnis eher durch stille Anpassung als durch explizite Konfrontation erfolgt (Hall 1959).

5. Praktische Empfehlungen

Zu tun:

Zu vermeiden:

Dokumentierte Vorfälle

Praktische Empfehlungen

Zu tun

  • Acceptez le geste sans raideur comme signe de respect. Répondez par une légère inclinaison. Utilisez-le envers les aînés vietnamiens en contexte formel.

Zu vermeiden

  • Ne reculez pas ou ne montrez de réticence. N'interprétez pas comme familiarité inappropriée. Ne restez pas de marbre.

Neutrale Alternativen

Quellen

  1. Verbal and bodily rituals of greeting and parting
  2. Conducting Interaction: Patterns of Behavior in Focused Encounters
  3. The Silent Language