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Der gesenkte Daumen

Der umgekehrte Zwilling des erhobenen Daumens in der westlichen Kultur: kategorische Ablehnung und soziale Missbilligung. Die Belastung variiert jedoch je nach Region und die römische Ikonographie ist weitgehend erfunden.

VollständigMissverständnis

Kategorie : HandgestenUnterkategorie : emblemes-une-mainVertrauensniveau : 3/5 (dokumentierte Hypothese)Benutzername : e0004

Bedeutung

Zielrichtung : Missbilligung, Ablehnung, schlecht, "das ist nicht gut". Das Gegenteil von "Daumen hoch" in der heutigen Welt.

Interpretierter Sinn : In der römischen Mythologie und ihrer populären Interpretation (oftmals falsch durch Gérôme) bedeutete der gesenkte Daumen das Todesurteil für einen Gladiator. Historisch fragwürdig - die Römer verwendeten wahrscheinlich eine andere Geste.

Geographie des Missverständnisses

Offensiv

  • france
  • belgium
  • netherlands
  • luxembourg
  • usa
  • canada
  • uk
  • ireland

Neutral

  • china-continental
  • japan
  • south-korea
  • taiwan
  • hong-kong
  • mongolia

Nicht dokumentiert

  • peuples-autochtones
  • afrique-ouest
  • afrique-est-centrale
  • asie-centrale-caucase

1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung

Der nach unten gestreckte Daumen, die geschlossene Faust, der ausgestreckte oder angewinkelte Arm: eine Geste der sozialen Ablehnung und Missbilligung im Großteil des modernen Westens. Sie bedeutet "Nein", "das ist nicht gut", "schlechtes Urteil". Im digitalen Kontext hielt der "Dislike"-Button von YouTube (der 2021 abgeschafft wird, aber immer noch von den Nutzern verwendet wird) dieses Zeichen im kollektiven Bewusstsein. Es ist das gestische Gegenteil des erhobenen Daumens, mit dem es ein universell lesbares binäres Paar bildet.

Die Geste hat in der heutigen englischsprachigen Welt keine starke offensive Ladung - es ist ein einfaches Zeichen der Ablehnung, weniger dramatisch als der Stinkefinger oder das umgekehrte V. Danger_level viel niedriger als bei anderen Gestenemblemen.

2. Wo es aus dem Ruder läuft: Geographie des Missverständnisses

Im Gegensatz zum erhobenen Daumen oder dem umgekehrten V hat der gesenkte Daumen eine ziemlich stabile geographische Abdeckung: Er bedeutet Missbilligung in fast allen Gebieten, in denen der erhobene Daumen Zustimmung bedeutet. Die im Stub aufgeführten Regionen (Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, USA, Kanada, Vereinigtes Königreich, Irland) entsprechen dem harten Kern des westlichen Gebrauchs dieser Geste.

Die anthropologische Literatur der Jahre 1990-2000 (Morris 1979, Axtell 1998) hat jedoch nicht dokumentiert, dass der gesenkte Daumen in nicht-westlichen Gebieten eine obszöne oder stark beleidigende Ladung trägt. Er ist nicht in den Listen von Matsumoto & Hwang 2013 als Emblem mit großer kultureller Ambivalenz enthalten.

Mögliche Varianz: In Griechenland oder Süditalien, wo der erhobene Daumen anstößig sein kann, könnte der gesenkte Daumen eine umgekehrte Bedeutung haben (weniger gutheißend), jedoch ohne die obszöne Ladung. Mit zeitgenössischen Quellen zu belegen.

3. Historische Entstehung

Der Ursprung des gesenkten Daumens als westliche Geste der Ablehnung ist vor dem 20. Jahrhundert** aus Jean-Léon Gérômes ikonischem Gemälde "Pollice Verso" (1872), das einen römischen Kaiser darstellt, der das Todesurteil über einen Gladiator verkündet, der durch einen gesenkten Daumen besiegt wurde.

Römische Historiker und Literaturwissenschaftler (insbesondere Corbeill 2004) bestreiten diese Interpretation. Die antiken lateinischen Quellen legen nahe, dass die römische Geste umgekehrt war: Daumen in die Faust gezogen = Tötung (Ausdruck "pollice compresso"), während der nach vorne gestreckte Daumen = Gnade bedeutet. Die Inversion von Gérôme wurde kulturell so stark, dass sie die westliche Geste der Missbilligung im 20. und 21.

Die populäre Version (Daumen nach unten = Tod) verbreitete sich über das Hollywood-Kino (insbesondere Ridley Scott, Gladiator, 2000) und wurde realer als die Geschichte, in Übereinstimmung mit der Theorie des performativen Mythos: Eine historisch ungenaue Geste hat den modernen Gebrauch konstruiert.

4. dokumentierte berühmte Vorfälle

5. Praktische Empfehlungen

Dokumentierte Vorfälle

Praktische Empfehlungen

Zu tun

  • Usage sûr en contexte occidental urbain. Geste peu risqué et peu chargé émotionnellement (contrairement au V inversé ou au OK ring).

Zu vermeiden

  • Prudence maximale face aux générations pré-internet en Iran, Irak, Afghanistan si le tabou du pouce levé s'inverse pour le pouce baissé (à vérifier). Pas de charge forte documentée en Occident contemporain.

Neutrale Alternativen

Quellen

  1. Morris, D., Collett, P., Marsh, P., & O'Shaughnessy, M. (1979). Gestures: Their Origins and Distribution. Stein & Day / Jonathan Cape.
  2. Corbeill, A. (2004). Nature Embodied: Gesture in Ancient Rome. Princeton University Press.
  3. Axtell, R. E. (1998). Gestures: The Do's and Taboos of Body Language Around the World (revised edition). John Wiley & Sons.