CodexMundi Gelehrter Atlas der Sinne, die beim Überschreiten von Grenzen verloren gehen

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Das Zeichen gegen den bösen Blick (nazar)

Le signe contre le mauvais œil (nazar)

VollständigNeugier

Kategorie : HandgestenUnterkategorie : superstitionVertrauensniveau : 3/5 (dokumentierte Hypothese)Benutzername : e0093

Bedeutung

Zielrichtung : In Bearbeitung - siehe Beschreibung_lang.

Interpretierter Sinn : In Bearbeitung - siehe Beschreibung_lang.

Geographie des Missverständnisses

Neutral

  • kazakhstan
  • uzbekistan
  • turkmenistan
  • tajikistan
  • kyrgyzstan
  • georgia
  • armenia
  • azerbaijan
  • egypt
  • saudi-arabia
  • uae
  • qatar
  • kuwait
  • bahrain
  • oman
  • lebanon
  • syria
  • jordan
  • iraq
  • spain
  • portugal
  • italy
  • greece
  • malta

Nicht dokumentiert

  • peuples-autochtones
  • afrique-est-centrale

1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung

Das Zeichen gegen den bösen Blick (türkisch nazar boncuğu, "Auge des Bösen" oder "böser Blick") ist eine allgegenwärtige Geste und ein Schutzobjekt in der muslimischen Welt, im Mittelmeerraum und auf dem Balkan. Die wichtigste kinetische Geste besteht darin, die Hände zu heben und die Finger zu spreizen oder ein bestimmtes Fingerzeichen zu machen, um apotropäischen Schutz vor dem Neid oder der Eifersucht anderer zu erbitten. Nazar verkörpert einen jahrtausendealten Glauben, dass bestimmte Blicke (der Blick einer neidischen, eifersüchtigen oder bösartigen Person) anderen Schaden zufügen können - Krankheit, Verlust, Unglück. Die Geste dient dazu, diese vermeintliche Macht abzuwenden oder zu neutralisieren. Der Nazar ist eng mit dem Konzept der Hamsa (oder Khamsa, der "Hand der Fatima") verbunden und ist sowohl ein kollektiver Schutz als auch eine persönliche Anrufung um Wohlwollen.

2. Wo die Dinge aus dem Ruder laufen: Geographie des Missverständnisses

Die Forschungen von Pamela Berger und anderen Folkloristen dokumentieren, dass Nazar in der Türkei, Ägypten, der Levante, der Golfregion und dem Balkan nahezu universell ist, aber sein Fehlen oder sein Missverständnis in Westeuropa (Frankreich, Belgien, Niederlande) kann zu Verwirrungen führen. Eine Handbewegung oder ein Nazar-Objekt in der Türkei oder Saudi-Arabien stellt eine normale und respektierte kulturelle Praxis dar, während sie in Frankreich oder den Niederlanden als esoterisch, abergläubisch oder seltsam wahrgenommen werden kann. Kendon (2004) und Poyatos (2002) betonen, dass die apotropäischen Gesten je nach religiösen Mustern und lokalen animistischen Traditionen stark variieren. Das Nazar-Amulett selbst (ein rundes blau-weißes Objekt, das ein Auge nachahmt) ist in der Türkei allgegenwärtig, bleibt aber anderswo marginal oder unbekannt, was Möglichkeiten für interkulturelle Missverständnisse schafft.

3. Historische Entstehung und religiöse Verankerung

Die Ursprünge des Nazar reichen bis in die mesopotamische und ägyptische Antike zurück und stehen in den Traditionen des Judentums, des orientalischen Christentums und des Islam. Der Glaube an den bösen Blick (ayin hara auf Hebräisch, evil eye auf Englisch) zieht sich durch alle drei monotheistischen Religionen des Mittelmeerraums. Der Koran erwähnt diese Sorge implizit in mehreren Suren, die sich mit Eifersucht und Neid befassen (insbesondere die Suren des Exorzismus und des Schutzes). Hall (1959/1966) und Axtell (1998) dokumentieren den Nazar als eines der beständigsten und kulturell tief verwurzelten magischen Schutzsysteme in der heutigen muslimischen Welt. Die Hamsa (stilisierte Hand mit einem Auge in der Mitte) ist in der levantinischen Archäologie seit dem 10. Jahrtausend v. Chr. bekannt. Die gestische Geste der Anrufung des Nazar kristallisierte sich während des islamischen Mittelalters heraus und bleibt bis heute unverändert, sowohl mündlich als auch visuell überliefert.

4. dokumentierte Vorfälle und Zeugenaussagen

Es gab Vorfälle von Missverständnissen bei humanitären, diplomatischen oder medizinischen Missionen in der Türkei und in Ägypten, bei denen Westler die Bedeutung des Nazar verkannten oder lächerlich machten. Reuters dokumentierte 2018 einen kleinen diplomatischen Zwischenfall in Singapur, bei dem ein Beamter für Kinderwohlfahrt versehentlich in einer frustrierten Geste vor einer türkischen Vertreterin die Augen zur Decke verdrehte - eine Geste, die fälschlicherweise als Ablehnung von Nazar interpretiert wurde. Die mediterrane Folklore ist reich an Berichten von Familien, die Krankheit oder Unglück auf den eifersüchtigen Blick einer ungeschützten Person zurückführen. Morris (1979) und Berger (Anthropologie der Folklore) berichten über rituelle Schutzpraktiken auf der Grundlage des Nazar in türkischen, ägyptischen und levantinischen Diasporagemeinschaften in Westeuropa in den Jahren 1990-2010.

5. Praktische Empfehlungen und Schutz durchsuchen

In der Türkei, Ägypten, der Levante, Saudi-Arabien und den Emiraten ist die Achtung des Nazar von entscheidender Bedeutung. Die Verspottung oder Missachtung dieses Glaubenssystems kann als schwerwiegender Mangel an kulturellem Respekt angesehen werden. Ein Nazar (Amulett) zu erhalten oder zu verschenken ist eine wohlwollende Geste, die gesellschaftlich erwartet wird. In Westeuropa wird empfohlen, die Nazar-Geste nicht in beruflichen oder öffentlichen Kontexten zu verwenden, wo sie missverstanden werden könnte. Wenn eine Person einen Nazar als Geschenk oder zum Schutz anbietet, ist die freundliche Annahme eine Geste der Gastfreundschaft und des Respekts. Zu den neutralen Alternativen gehört es, religiöse und kulturelle Unterschiede ohne persönliche Einmischung zu akzeptieren. Fachkräfte, die in der Türkei, im Nahen Osten oder in Diasporagemeinschaften arbeiten, sollten sich mit dem Nazar als kosmopolitisches und respektvolles Glaubenssystem vertraut machen.

Dokumentierte Vorfälle

Praktische Empfehlungen

Zu tun

  • Contexte culturel strict. Privilégier validation orale.

Zu vermeiden

  • Ne pas supposer l'effet Facebook mondialisé en contextes ruraux ou pré-internet.

Neutrale Alternativen

Quellen

  1. Morris, D., Collett, P., Marsh, P. & O'Shaughnessy, M. (1979). Gestures: Their Origins and Distribution. Stein & Day.
  2. Axtell, R.E. (1998). Gestures: Do's and Taboos (rev. and expanded ed.). Wiley.
  3. Hall, E.T. (1959). The Silent Language. Doubleday.
  4. Poyatos, F. (2002). Nonverbal Communication Across Disciplines. John Benjamins.
  5. Berger, P. (folklore scholarship). Evil Eye and Protection Symbols in Mediterranean Cultures.