CodexMundi Gelehrter Atlas der Sinne, die beim Überschreiten von Grenzen verloren gehen

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Offene Hand geschüttelt (Spanien - "voll")

Main ouverte secouée (Espagne — « plein »)

VollständigNeugier

Kategorie : HandgestenUnterkategorie : designationVertrauensniveau : 2/5 (hypothese mit Quellenangabe)Benutzername : e0096

Bedeutung

Zielrichtung : In Bearbeitung - siehe Beschreibung_lang.

Interpretierter Sinn : In Bearbeitung - siehe Beschreibung_lang.

Geographie des Missverständnisses

Neutral

  • spain
  • portugal
  • italy
  • greece
  • malta

Nicht dokumentiert

  • peuples-autochtones
  • afrique-ouest

1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung

Die geschüttelte offene Hand (mano abierta in Spanien, Geste der Menge) ist ein kinetisches Emblem mit der Bedeutung "voll", "viel", "enorm" in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland. Die Geste besteht darin, eine oder beide Hände mit gespreizten Fingern zu heben und sie leicht nach oben und unten oder von einer Seite zur anderen zu schütteln oder zu bewegen. Der Gesichtsausdruck begleitet normalerweise die Geste, wobei ein Stirnrunzeln oder ein Schmollmund die Intensität oder Überfülle anzeigt. Die Geste wird verwendet, um "es gibt viel davon" auszudrücken (Lärm, Welt, Arbeit, etc.) oder um eine Idee zu verstärken - ein typisch mediterraner gestischer Quantifikator.

2. Wo es aus dem Ruder läuft: Geographie des Missverständnisses

In Frankreich, Belgien und den Niederlanden ist die Geste der geschüttelten offenen Hand weniger verbreitet und kann falsch interpretiert werden. Ein französischer Muttersprachler, der diese Geste sieht, könnte denken, dass die Person Fliegen verscheucht, etwas ablehnt oder eine Frustrationsgeste macht ("laissez tomber"). Hall (1966) stellt fest, dass quantifizierende Gesten je nach Region stark variieren: Frankreich bevorzugt eher unauffällige vertikale Gesten, während in Spanien und im Mittelmeerraum weit ausladende und ausdrucksstarke Gesten verwendet werden. Axtell (1998) dokumentiert, dass die mangelnde Vertrautheit mit dieser Geste in Nordeuropa zu komischen oder verwirrenden Situationen führt. Morris (1979) stellt fest, dass Gesten mit offener Hand im Mittelmeerraum im Allgemeinen eine positive oder einbeziehende Konnotation haben, im Gegensatz zu den geschlossenen nordeuropäischen Fäusten.

3. Historische Entstehung und mediterrane Ausdrucksfähigkeit

Die Gestik geht auf die Rede- und Gestikpraktiken der antiken Mittelmeerkulturen (Griechenland, Rom) zurück, wo die gestische Verstärkung von den Rhetorikern gefördert wurde. Poyatos (2002) stellt fest, dass die mediterranen Kulturen die expansive Kinesik bevorzugen und sie zur Verdeutlichung, Verstärkung und Dramatisierung des gesprochenen Wortes einsetzen. Die Gestik wurde im 20. Jahrhundert durch den italienischen, spanischen und griechischen Film verstärkt, der ihre Verwendung populär machte. Kendon (2004) dokumentiert, dass die Mano abierta eine der konsistentesten quantifizierenden Gesten im gesamten Mittelmeerraum ist, mit nur geringen Abweichungen zwischen den Regionen. Morris (1994) in Bodytalk sieht darin einen sehr klaren Marker für die "Mediterranität" der Gestik.

4. dokumentierte Vorfälle und Zeugenaussagen

Kleinere Missverständnisse wurden in touristischen und geschäftlichen Kontexten festgestellt, insbesondere in den Jahren 1990-2000, wo nordische Touristen spanische oder italienische Gesten als chaotisch oder feindselig missverstanden. Bei multinationalen Geschäftstreffen führte die Geste zu einigen Kommunikationszwischenfällen, bei denen die Überfülle an mediterranen Gesten von Teilnehmern aus dem Norden falsch aufgenommen wurde. Meyer (2014, The Culture Map) nennt die mediterranen/nordischen Unterschiede im Management als geringfügige Quelle für kulturelle Reibung. Die sozialen Netzwerke (2010er Jahre) haben die Geste durch Videos aus der italienischen und spanischen Kultur ohne expliziten Kontext populär gemacht.

5. Praktische Empfehlungen und interkulturelle Anpassung

In mediterranen Kontexten (Spanien, Italien, Griechenland) bleibt die Geste natürlich und wird erwartet. In Frankreich, Belgien und den Niederlanden wird empfohlen, den Umfang der Geste zu mäßigen oder einen klaren verbalen Ausdruck zu bevorzugen ("es gibt viel..."). In multinationalen Arbeitsumgebungen sollten quantifizierende Gesten gemäßigt werden, um den Eindruck von Chaos oder Unauthentizität zu vermeiden. Poyatos (2002) empfiehlt eine Anpassung der Gesten an das Publikum. Interkulturelle Fachleute sollten diese Geste bei mediterranen Sprechern erkennen und richtig interpretieren, ohne sie als chaotisch oder beunruhigend zu betrachten.

Praktische Empfehlungen

Zu tun

  • Contexte culturel strict. Privilégier validation orale.

Zu vermeiden

  • Ne pas supposer l'effet Facebook mondialisé en contextes ruraux ou pré-internet.

Neutrale Alternativen

Quellen

  1. Morris, D., et al. (1979). Gestures: Their Origins and Distribution. Stein & Day.
  2. Axtell, R. E. (1998). Gestures: The Do's and Taboos. John Wiley & Sons.