CodexMundi Gelehrter Atlas der Sinne, die beim Überschreiten von Grenzen verloren gehen

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Zischen, um zu rufen (pssst - Lateinamerika)

"Pssst" zum Anrufen: banal in Lima, aggressiv deplatziert in Stockholm.

VollständigMissverständnis

Kategorie : Paralanguage, Stille, LachenUnterkategorie : interpellation-sonoreVertrauensniveau : 3/5 (dokumentierte Hypothese)Benutzername : e0220

Bedeutung

Zielrichtung : Ein diskreter und freundlicher Appell, insbesondere an junge Frauen, um Aufmerksamkeit zu erregen, ohne die Stimme zu erheben - sehr natürlich in Lateinamerika und der Karibik.

Interpretierter Sinn : In Skandinavien und Ostasien wird das zischende "Pssst" als übermäßig vertraut, für Frauen sogar als aggressiv oder sexuell anzüglich empfunden. Dies führt zu einem Bruch der sozialen Beziehungen und wird als Belästigung in der Stadt interpretiert.

Geographie des Missverständnisses

Offensiv

  • sweden
  • norway
  • denmark
  • finland
  • iceland
  • china-continental
  • japan
  • south-korea
  • taiwan
  • hong-kong
  • mongolia

Neutral

  • mexico
  • guatemala
  • honduras
  • nicaragua
  • el-salvador
  • costa-rica
  • panama
  • cuba
  • dominican-republic
  • puerto-rico

Nicht dokumentiert

  • peuples-autochtones

1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung

Ein kurzes Flüstern, oft phonetisch als "pssst" bezeichnet, das erzeugt wird, wenn man Luft zwischen den leicht geöffneten Lippen hindurchlässt, manchmal begleitet von einem leichten Schnalzen der Zunge. In Lateinamerika (Mexiko, Venezuela, Kolumbien, Peru), der Karibik und Brasilien dient dieser Laut als diskreter, sozialer und freundlicher Ruf, insbesondere um die Aufmerksamkeit einer Frau, eines Kellners oder eines Begleiters zu erlangen, ohne die Stimme zu erheben. Es handelt sich um einen "leisen" Ruf, bei dem man nicht schreien muss und der mit einer ruhigen (Bibliothek, Warteschlange) oder intimen Umgebung (in der Nähe von schlafenden Personen) vereinbar ist.

2. Wo es aus dem Ruder läuft: Geographie des Missverständnisses

In Skandinavien (Schweden, Norwegen, Dänemark, Island), den Niederlanden und Ostasien (Japan, Südkorea, Festlandchina) wird das gleiche Zischen als hochproblematisch wahrgenommen. In Skandinavien wird es als übermäßig vertraut, sogar aggressiv oder mit sexueller Konnotation interpretiert (Verweis auf den Anruf eines Sexchats). Für eine Frau ist es ähnlich wie ein belästigendes Pfeifen in Frankreich. In Ostasien wird das Zischen als ein respektloses Eindringen in den persönlichen Raum angesehen, das mit der Einhaltung der kodifizierten sozialen Distanz unvereinbar ist.

3. Historische Entstehung

Das Flüstern gehört zu den "leisen" oder "diskreten" Gesangsrepertoires, die in allen dichten städtischen Kulturen dokumentiert sind. In Lateinamerika ist es Teil einer vorindustriellen Tradition städtischer Rufe (Händler, Straßenverkäufer, dichte soziale Signalisierung). In Skandinavien hat die Norm des Schweigens im öffentlichen Raum und die Wertschätzung der persönlichen Distanz ein symmetrisches Tabu geschaffen: jeder nicht-verbale akustische Ruf wird als Übertretung angesehen. Der Kontrast verschärft sich im 20. Jahrhundert mit der Globalisierung des Tourismus.

4. dokumentierte berühmte Vorfälle

Die Vorfälle werden kaum publik gemacht, sind aber in den Tourismus- und Einwanderungsberichten üblich:

5. Praktische Empfehlungen

Dokumentierte Vorfälle

Praktische Empfehlungen

Zu tun

  • En Amérique latine : usage naturel accepté pour appel discret.
  • En Scandinavie et Asie : utiliser appel verbal doux ou contact visuel uniquement.
  • Appel verbal « excusez-moi » fonctionne partout.

Zu vermeiden

  • Ne jamais chuinter vers une femme en Scandinavie, Asie de l'Est : lu comme harcèlement sexuel.
  • Éviter en Asie où cela transgresse respect de distance personnelle.

Neutrale Alternativen

Quellen

  1. Poyatos, F. (2002). Nonverbal Communication across Disciplines. John Benjamins.
  2. Kendon, A. (2004). Gesture: Visible Action as Utterance. Cambridge University Press.
  3. Matsumoto, D. & Hwang, H.C. (2013). Cultural similarities and differences in emblematic gestures. JNVB 37(1), 1-27. —