Wegschauen vor einem Älteren (Westafrika)
Nigerianischer Jugendlicher schaut vor seinem Vater nach unten: Respekt. Der gleiche junge Mann in den USA: verdächtig. Das Schweigen der Augen bedeutet zwei Dinge.
Bedeutung
Zielrichtung : Ausgeprägter Respekt vor Älteren und Autoritäten; hierarchische Ehrerbietung; keine Herausforderung oder Konfrontation.
Interpretierter Sinn : Wegschauen bedeutet in Westafrika Respekt. Im Westen bedeutet es Schuld, Angst oder Lüge. Zwei Kulturen, zwei Lesarten desselben Wegschauens.
Geographie des Missverständnisses
Neutral
- ghana
- nigeria
- senegal
- mali
- cameroon
- côte-d-ivoire
- benin
- togo
- burkina-faso
1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung
In Westafrika (Nigeria, Ghana, Senegal, Mali, Elfenbeinküste) ist das Abwenden des Blicks in Gegenwart eines Älteren, eines Elternteils oder einer Autoritätsperson eine grundlegende Geste des Respekts. Poyatos (2002) dokumentiert, dass diese Praxis in stark institutionalisierten hierarchischen Sozialstrukturen systematisch ist. Argyle & Cook (1976) stellen fest, dass das Fehlen von Augenkontakt in diesem Kontext die Akzeptanz der Hierarchie und das Fehlen von Herausforderung signalisiert.
Matsumoto & Hwang (2013) stellen fest, dass das Abwenden des Blicks Demut und freiwillige Unterwerfung unter moralische und soziale Autoritäten kodifiziert. Es ist eine Geste der Zugehörigkeit gegenüber der etablierten sozialen Ordnung.
2. Wo es aus dem Ruder läuft: Geographie des Missverständnisses
In Nordamerika, Australien und Westeuropa wird das Wegschauen in Gegenwart einer Autoritätsperson (Polizist, Lehrer, Chef) als ein Zeichen von Schuld, Unehrlichkeit oder Angst interpretiert. Kendon (1967) und Hall (1966) dokumentieren, dass die westliche Norm den Blickkontakt als Beweis für Aufrichtigkeit und Vertrauen wertschätzt.
Ein amerikanischer Polizist, der kurzen Kontakt mit einem jungen Schwarzen hat, der den Blick abwendet, kann dies als verdächtiges Verhalten oder Fluchtversuch interpretieren. Umgekehrt wird ein junger Nigerianer in Nordamerika, der als Zeichen des Respekts vor einer Autoritätsperson den Blick abwendet, der Schuld verdächtigt.
Dieses Missverständnis ist in der Literatur über Polizeiverhaftungen und Rassendiskriminierung dokumentiert: Das Abwenden des Blicks, ein normales kulturelles Verhalten in Westafrika, wird von westlichen Behörden falsch interpretiert.
3. Historische Entstehung
Das Wegschauen in Westafrika geht auf Jahrtausende von hierarchischen sozialen Strukturen zurück, die auf Alter und Status basieren. Griot-Traditionen, Clan-Chefsysteme und religiöse Hierarchien (sudanesischer Islam, Christentum südlich der Sahara) haben alle das Wegschauen als Zeichen des Respekts kodifiziert.
Die Kolonialzeit (19.-20. Jahrhundert) verstärkte diese Norm: Die Kolonialbehörden schätzten den demonstrativen Gehorsam, einschließlich des Wegschauens. Nach der Unabhängigkeit wurde diese Norm in den Familien- und Gemeindestrukturen beibehalten.
Die Aufklärung und die Moderne im Westen legten Wert auf Egalitarismus und emotionale Transparenz (Augenkontakt = Aufrichtigkeit). Dies steht in frontalem Gegensatz zu den westafrikanischen Normen.
4. dokumentierte berühmte Vorfälle
- Polizeiliche Vorfälle in den USA / junge Schwarzafrikaner (1990-2020). Dokumentiert von Soziologen und Menschenrechtsorganisationen: Kulturell bedingte Verhaltensweisen der Blickabneigung bei jungen Afroamerikanern und westafrikanischen Immigranten werden von der Polizei als Anzeichen für Schuld fehlinterpretiert. Quelle: [HUMANRECHTE_BERICHTE_ZU_PRÜFEN - NAACP-Berichte, Human Rights Watch].
- **Westafrikanische Kinder in Schulen in den USA/Europa schauen vor Lehrern weg und werden wegen "mangelnden Respekts" kritisiert (umgekehrte westliche Interpretation). Quelle: [SCHULVORFÄLLE_ZU_ÜBERPRÜFEN].
5. Praktische Empfehlungen
- **In Westafrika ist das Abwenden des Blicks von Älteren/Autoritäten ein Zeichen von Respekt. Im Westen ist das Aufrechterhalten von Augenkontakt mit Behörden ein Zeichen von Aufrichtigkeit und Vertrauen.
- Niemals tun: Nicht von Schuld ausgehen, wenn jemand den Blick abwendet. Erzwingen Sie keinen Blickkontakt, der im westafrikanischen Kontext als herausfordernd empfunden wird.
- Alternativen: Senken Sie den Blick leicht und nicken Sie gelegentlich mit dem Kopf. Blick nach vorne/hinten richten, statt direkt in die Augen. Verbale Sprache, um Engagement zu signalisieren.
- Wachsamkeit: jüngere Generationen in multikulturellen Kontexten lernen, sich anzupassen, aber in traditionellen oder ländlichen Kontexten die Norm der Abneigung zu respektieren.
Dokumentierte Vorfälle
- — Études documentant que comportements culturels d'aversion du regard sont mal interprétés par police comme indices de culpabilité ou comportement suspect.
Praktische Empfehlungen
Zu tun
- En Afrique de l'Ouest: aversion du regard envers aîné/autorité = respect. En Occident: contact visuel = sincérité. Adapter selon contexte.
Zu vermeiden
- Ne pas interpréter aversion du regard comme culpabilité. Ne pas imposer contact visuel qui est ressenti comme défi en Afrique Ouest. Ne pas présumer malhonnêteté.
Neutrale Alternativen
- Blick nach unten oder zur Stirn (nicht direkt in die Augen).
- Gelegentliches Kopfnicken mit abgewandtem Blick, um Zuhören zu signalisieren.
- Explizite verbale Sprache, um Engagement und Verständnis zu zeigen.
Quellen
- Some functions of gaze-direction in social interaction
- The Hidden Dimension: Man's Use of Space in Public and Private
- Nonverbal Communication and Culture