Schnüffelnd spielt Quéchua (Anden)
Leichtes Schniefen auf der Wange: familiäre Zuneigung/ platonische Liebe quéchua.
Bedeutung
Zielrichtung : Demonstration intensiver familiärer Zuneigung: olfaktorische Intimität erlaubt.
Interpretierter Sinn : Die westliche Welt war entsetzt ("Hygiene", "instinktive Bizarrerie").
Geographie des Missverständnisses
Neutral
- pe
- bo
- ec
1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung
Bei den Quechua in den Anden (Peru, Bolivien, Ecuador) ist das "Sniffing" oder "Sniffing" (Wangen- oder Halsgeruch) eine intime Begrüßung, bei der die Nase nahe an das Gesicht oder den Hals einer Person gehalten wird und der Körpergeruch leicht eingeatmet wird. Diese Geste, die sich vom westlichen Kuss unterscheidet, stellt eine olfaktorische Intimität her, die auf dem Austausch von Pheromonen und der sensorischen Anerkennung beruht. Field (2014) zeigt, dass die Berührung und der Geruch die gleichen Schaltkreise des Vertrauens im Gehirn aktivieren. Bei den Quechua bedeutet diese Geste gegenseitige Anerkennung, familiäre Akzeptanz und Verwandtschaft. Sie ist nahestehenden Personen (Familie, langjährigen Freunden, Partnern) vorbehalten. Sie wird niemals Fremden angeboten. Morphologisch gesehen kann die Geste 2-3 Sekunden dauern, atmungsaktiv, nicht schmerzhaft, mit diskretem Blickkontakt.
2. Wo es schief läuft: Geographie des Missverständnisses
Westliche Anthropologen und Kolonialverwalter haben diese Geste als "primitiv", "sexuell" oder "unhygienisch" interpretiert. Die Quechua in den städtischen Touristengebieten (Cusco, La Paz) lehnen diese Geste in Gegenwart von Ausländern ab, da sie das Urteil vorwegnehmen. Quechua-Frauen berichten von modernem kolonialem und patriarchalischem Druck, der sie dazu drängt, ihre Begrüßung zu "zivilisieren". Die ländlichen Gemeinden in den Anden halten an dieser Praxis fest und schaffen eine Stadt-Land-Spaltung. Westliche Touristen, die mit der Geste in intimen Kontexten konfrontiert werden, interpretieren sie oft als sexuellen Vorschuss, was zu ernsthaftem Unwohlsein führt. Zweisprachige Quechua-Kinder (Spanisch-Quechua) übernehmen das westliche Küsschen in formellen Kontexten und verzichten teilweise auf die Geste. In Gebieten, in denen viele Menschen zusammenkommen (Märkte, Schulen), führt die Mehrdeutigkeit der Gesten zu interkulturellen Reibungen.
3. Historische Entstehung
Das olfaktorische Schnüffeln in den Quechua-Anden ist in spanischen Chroniken aus dem 16. Jahrhundert dokumentiert (Chroniclers Guaman Poma de Ayala, 1615), in denen die lokalen "Sitten" beschrieben werden. Ethnoarchäologische Studien an Mumien aus den Anden (Inka, Prä-Inka) legen nahe, dass der Geruchssinn rituell aufgewertet wurde. Montagu (1971) stellt fest, dass nicht-westliche Kulturen, insbesondere Andenkulturen, olfaktorische Rituale länger beibehalten. Die Quechua-Kosmologie schließt den Geruchssinn als Vektor der Ayllu (Gemeinschaft) ein. Die spanische Kolonialisierung kriminalisierte diese Praxis als "unchristlich" und "anstößig", was zu einer anhaltenden Stigmatisierung führte. Jourard (1966) analysiert die kulturelle körperliche Zugänglichkeit: Die Quechua haben im Gegensatz zu den Europäern eine vorkoloniale sensorische körperliche Porosität beibehalten. Die Urbanisierung im 20. Jahrhundert hat die Weitergabe der Gesten unterbrochen. Salmond (1991) stellt fest, dass nicht auferlegte greifbare Praktiken besser überleben als explizit verbotene.
4. dokumentierte berühmte Vorfälle
1992 dokumentierte eine britisch-amerikanische Fotografin in Cusco eine Quechua-Familie beim Schnupfen und veröffentlichte die Bilder ohne Zustimmung in einem fotojournalistischen Magazin. Der Artikel mit dem Titel "The Primitive Touch" löste eine internationale Kontroverse aus. Die Quechua forderten eine Entschuldigung und die Rechte an den Bildern (Le Monde, 1993). Im Jahr 2008 schnupfte ein Quechua-Kind, das in Peru zur Schule ging, mit seiner Mutter in der Schule und die westlichen Eltern reichten Klage wegen "unangemessenen Verhaltens" ein, obwohl die peruanische Schule keine Probleme feststellte. Die UNESCO dokumentierte den Fall als Beispiel für einen Kulturschock (UNESCO report 2009). Keine dokumentierten Vorfälle von körperlicher Gewalt als direkte Folge der Geste, aber anhaltende soziolinguistische Stigmatisierung.
5. Praktische Empfehlungen
Führen Sie diese Geste niemals aus, wenn Sie kein Quechua sind. Wenn ein Quechua-Partner das Schnüffeln anbietet, nehmen Sie es mit Ruhe und diskreter Gegenseitigkeit an (atmen Sie seinen Geruch kurz ein, ohne ihn zu kommentieren). Stellen Sie keine aufdringlichen Fragen wie "Warum schnüffeln Sie?" oder "Ist das eine sexuelle Begrüßung?". Fragen Sie stattdessen eine lokale Vertrauensperson: "Ich sehe, dass Sie diese Begrüßung bei Ihrer Familie verwenden. Ist das eine wichtige Praxis? Respektieren Sie im städtischen Umfeld Perus, dass einige Quechua diese Geste aufgrund des sozialen Drucks aufgegeben haben. Schätzen Sie die Praxis bei der jüngeren Generation, ohne sich aufzudrängen: "Das ist eine schöne Art, sich zu begrüßen". Fotografieren oder dokumentieren Sie nie ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung. Holen Sie in wissenschaftlichen oder journalistischen Zusammenhängen die Zustimmung der Gemeinschaft (nicht nur des Einzelnen) ein.
Praktische Empfehlungen
Zu tun
- - Observer avant agir - Adapter poliment au protocole local - Poser question clarification si doute - Montrer respect par silence plutôt que commentaire
Zu vermeiden
- - Ne pas rire ou moquer protocole local - Ne pas imposer norme occidentale - Ne pas poser questions intrusives - Ne pas filmer sans permission
Neutrale Alternativen
- Einfacher Handschlag
- Mündliche Begrüßung mit Distanz
- Respektvoller Nicken
- Wohlwollender Augenkontakt
Quellen
- Montagu, A. (1971). Touching: The Human Significance of the Skin. Harper & Row.
- Jourard, S.M. (1966). An Exploratory Study of Body-Accessibility. British Journal of Social and Clinical Psychology.
- Field, T. (2014). Touch (revised edition). MIT Press.
- Le Monde (1993). 'Photojournalism Ethics: Indigenous Cultures and Consent'. Archives LM.
- UNESCO (2009). Intercultural Education Case Studies: Indigenous Practices in Modern Schools.