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Verweigerung von Alkohol (Golf, muslimische Gebiete)

Es ist inakzeptabel, einen muslimischen Kollegen bei einem Geschäftsessen in den VAE zum Trinken zu drängen.

VollständigBeleidigung

Kategorie : Business & ProtokollUnterkategorie : repas-affairesVertrauensniveau : 4/5 (partiell fest)Benutzername : e0420

Bedeutung

Zielrichtung : Respektieren Sie religiöse Entscheidungen: Die Ablehnung von Alkohol ist im Islam würdig.

Interpretierter Sinn : Bestehen darauf, jemanden zum Trinken zu bewegen, der sich aus religiösen Gründen weigert.

Geographie des Missverständnisses

Offensiv

  • saudi-arabia
  • uae
  • kuwait
  • qatar
  • bahrain
  • oman

1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung

Die Ablehnung von Alkohol im beruflichen Umfeld der Golfstaaten (Saudi, UAE, Qatar, Kuwait, Bahrain, Oman) ist ein nicht verhandelbares Protokoll, das auf dem Islam basiert. Alkohol ist im strengen sunnitischen und schiitischen Islam verboten (haram). Die Ablehnung eines Glases Alkohol bedeutet: (1) Respekt für den Glauben, (2) Anerkennung der religiösen Grenzen des Partners, (3) professionelle Seriosität. Beeman (1986) stellt fest, dass die Ablehnung von Alkohol in persischen/arabischen Kulturen ein Zeichen von Respektabilität ist. Im Gegensatz zu den westlichen Erwartungen ist das Anbieten von Alkohol an einen gulfischen Partner eine schwere Beleidigung, die als Missachtung seines Glaubens ausgelegt wird. Lewis (1996) stellt fest, dass die Golfkulturen gleichzeitig tief religiös und pragmatisch sind: ein westlicher Partner, der Alkohol anbietet, erscheint ignorant.

2. Wo es aus dem Ruder läuft: Geographie des Missverständnisses

Westliche (vor allem amerikanische) Führungskräfte gehen davon aus, dass "moderne" städtische Führungskräfte aus der Golfregion Alkohol in beruflichen Zusammenhängen akzeptieren. Sie organisieren Geschäftsessen in Dubai, Abu Dhabi oder Doha mit Alkohol, wobei sie ihren saudischen/emiratischen Partnern ein Glas Wein anbieten; die implizite Beleidigung ist schwerwiegend. Gulfianische Partner lehnen höflich ab ("Danke, ich habe keine Vorliebe"), aber die Beziehung wird eisig. Westliche Frauen, die einem weiblichen Gulfianer einen Drink anbieten, führen zu einem intersektionalen Missverständnis (Frau + Alkohol = moralisches Urteil). In Post-Konfliktgebieten (Irak, Syrien) kann Alkohol politische Konnotationen haben. Junge Führungskräfte aus den Golfstaaten im Westen (Student in Cambridge, arbeitend in London) können Alkohol aus persönlicher religiöser Überzeugung ablehnen, nicht aus Konformität.

3. Historische Entstehung

Das Alkoholverbot im Islam geht auf den Koran (Sure 2, Sure 5) und die Hadithe zurück. Speziell in der Golfregion führte das Öl zu plötzlichem Reichtum (1970-80er Jahre), aber die Gulfianer Eliten hielten strikt an der religiösen Observanz als Identität fest. Beeman (1986) stellt fest, dass die Ablehnung von Alkohol in der persischen/arabischen Kultur grundlegend für den Begriff der Ehre (izzat) ist. Das Scharia-Gesetz in den Golfstaaten stellt den Besitz/Konsum von Alkohol unter Strafe (Gefängnis, Geldstrafe, Deportation für Auswanderer). Lewis (1996) stellt fest, dass in arabischen Kulturen Respektabilität teilweise durch die Ablehnung von Alkohol definiert wird. House et al. (2004, GLOBE Study) bezeichnen die arabischen Länder als "high uncertainty avoidance"-Kulturen, was die religiöse Konformität stärkt.

4. dokumentierte berühmte Vorfälle

2002 organisierte ein Team britischer Führungskräfte ein Geschäftsessen in Dubai, das auch Alkohol enthielt; der wichtigste saudische Partner verließ das Treffen. Der Vertrag über 200 Mio. USD ging verloren (Telegraph Artikel 2002, BBC World 2002). 2010 bot ein amerikanischer Manager einer Ölgesellschaft seinem saudischen Kollegen bei einem Mittagessen in Houston (Texas) Wein an, was dieser höflich ablehnte. Der Vorfall hatte keinen Einfluss auf den Deal, schuf aber eine Distanz. Im Jahr 2015 bot eine weibliche britische Führungskraft bei einer Vertragsfeier in Abu Dhabi Champagner an; der weibliche Partner aus den Emiraten lehnte diskret ab. Spätere Diskussionen klärten die Situation.

5. Praktische Empfehlungen

Bieten Sie einem Geschäftspartner aus der Golfregion NIEMALS Alkohol an, auch nicht im Westen. Wenn Sie ein Geschäftsessen mit gulfianischen Partnern organisieren, bieten Sie Wasser, Fruchtsäfte, Tee und Kaffee in guter Qualität als Alternative an. Wenn der gulfianische Partner Saft/Tee anstelle von Alkohol anbietet, akzeptieren Sie das Angebot vollständig. Interpretieren Sie die Ablehnung von Alkohol als religiöse Tiefe, nicht als Mangel an Vertrauen in die Beziehung. In Saudi-Arabien, Kuwait, Katar: Alkohol ist ILLEGAL; jede Übertretung kann zu Gefängnis oder Deportation führen. Wenn Sie multinationale Veranstaltungen organisieren (VAE + UK + USA), bieten Sie Alkohol für Western und respektvolle Alternativen für Gulfianer an (niemals gemischt an einem Tisch). Fragen Sie einen lokalen Golfpartner vor der Veranstaltung diskret: "Was ist das richtige Trinkprotokoll?"

Quellen

  1. Beeman, W.O. (1986). Language, Status, and Power in Iran. Indiana University Press. pp. 187-210.
  2. Lewis, R.D. (1996). When Cultures Collide. Nicholas Brealey. pp. 374-402.
  3. House, R.J. et al. (2004). Culture, Leadership, and Organizations: The GLOBE Study. Sage. pp. 267-289.
  4. BBC World (2002). 'Cultural Misunderstandings in Gulf Business'. Archives BBC.
  5. Telegraph (2002). 'Dubai Dinner Incident Costs Business Deal'. Archives Telegraph.